Nicht jedes Problem braucht sofort eine Lösung
Viele Menschen kommen in Beratungen mit dem Wunsch, ein Problem möglichst schnell zu lösen. Das ist verständlich. Probleme belasten, kosten Energie und machen unruhig. Der Wunsch nach einer klaren Antwort oder einem konkreten nächsten Schritt ist oft groß.

Nicht jedes Problem braucht sofort eine Lösung Aus systemischer Sicht lohnt es sich jedoch, an dieser Stelle kurz innezuhalten. Nicht jedes Problem ist eine Aufgabe, die sofort bearbeitet werden muss. Manche Probleme sind Hinweise – auf Spannungen, auf Überforderung oder auf Veränderungen, die bereits begonnen haben. In Beratungsprozessen zeigt sich häufig, dass vorschnelle Lösungen alte Muster eher stabilisieren, als dass sie Veränderung ermöglichen. Wenn etwas zu schnell „repariert“ wird, bleibt oft unbeachtet, warum das Problem überhaupt entstanden ist und welche Funktion es im jeweiligen System hat.
Für mich bedeutet professionelle Beratung deshalb nicht, sofort Lösungen anzubieten. Wichtiger ist zunächst, gemeinsam zu verstehen, was gerade wirkt, was bisher hilfreich war und was vielleicht nicht mehr passt. Aus diesem Verstehen heraus können Schritte entstehen, die sich stimmig anfühlen – nicht erzwungen.
Viele erleben es als entlastend, wenn klar wird: Ein Problem darf erst einmal da sein, ohne dass sofort gehandelt werden muss. Manches klärt sich nicht durch Aktion, sondern durch Aufmerksamkeit.
*Beratung beginnt nicht mit Lösungen, sondern mit dem gemeinsamen Sortieren.*