Warum Veränderung sich oft zuerst falsch anfühlt- ein systemischer Blick

Viele Menschen kommen in Beratungen mit dem Wunsch nach Veränderung. Gleichzeitig entsteht genau dann häufig ein irritierendes Gefühl: Unsicherheit, Widerstand oder das Gefühl, dass es gerade eher schlechter als besser wird.

Aus systemischer Sicht ist das kein ungewöhnlicher Verlauf. Veränderung bedeutet, bekannte Muster zu verlassen – auch dann, wenn diese eigentlich entlastet werden sollen. Was vertraut ist, gibt Halt. Wenn sich etwas bewegt, fehlt dieser Halt zunächst. Das kann sich unangenehm, verwirrend oder sogar falsch anfühlen. In Beratungsprozessen zeigt sich deshalb oft ein Moment, in dem alte Strategien nicht mehr richtig greifen, neue aber noch nicht stabil sind. Diese Phase wird schnell als Rückschritt interpretiert, obwohl sie häufig ein Zeichen dafür ist, dass tatsächlich Bewegung entsteht.

Für mich ist es wichtig, diesen Moment nicht zu beschleunigen oder wegzuerklären. Veränderung braucht Zeit, um sich einzuordnen. Nicht jedes unangenehme Gefühl ist ein Warnsignal – manchmal ist es ein Hinweis darauf, dass etwas Neues ausprobiert wird. Entlastend ist für viele die Erfahrung, dass dieser Zustand nicht bedeutet, „falsch“ zu sein oder zu scheitern. Veränderung verläuft selten geradlinig. Sie darf sich unsicher anfühlen, bevor sie stimmig wird.

Beratung beginnt nicht mit Lösungen, sondern mit dem gemeinsamen Sortieren.