Überforderung ist ein Gefühl, das viele Menschen gut kennen. Sie zeigt sich oft dann, wenn etwas wichtig ist, wenn Verantwortung spürbar wird oder wenn noch unklar ist, wie es weitergehen kann. In Beratungen wird dieses Gefühl häufig benannt – manchmal vorsichtig, manchmal sehr deutlich.

Was seltener ausgesprochen wird: Auch zu Beginn einer Beratung kann Überforderung im Raum stehen. Auf beiden Seiten.
Nicht als Zeichen von Unsicherheit oder fehlender Kompetenz, sondern als Hinweis darauf, dass etwas Bedeutsames betreten wird.

Gerade am Anfang eines Beratungsprozesses liegt vieles noch ungeordnet nebeneinander: Erwartungen, Hoffnungen, vielleicht auch Zweifel oder die Sorge, etwas falsch zu machen. Aus systemischer Sicht ist das wenig überraschend. Überforderung entsteht oft dort, wo mehrere Ebenen gleichzeitig wirksam sind.

Für mich gehört es zu einer professionellen Haltung, dieses Gefühl wahrzunehmen und ernst zu nehmen – mit Ruhe und ohne Eile. Beratung heißt nicht, sofort Antworten zu liefern. Oft geht es zunächst darum, gemeinsam Orientierung zu schaffen und dem Prozess Zeit zu geben.

Viele erleben es als entlastend, zu merken: Überforderung ist kein persönliches Versagen. Weder für Klientinnen noch für Beraterinnen. Manchmal reicht es, nicht alleine damit zu sein. Und von dort aus Schritt für Schritt weiterzugehen.

Beratung beginnt nicht mit Lösungen, sondern mit dem gemeinsamen Sortieren.

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